„Katjuscha“, spontan am sowjetischen Ehrenmal gesungen, wurde von der Berliner Polizei als „Ordnungswidrigkeit“ eingestuft. Siehe unsere Stellungnahme
Wir hatten Leserinnen, Leser unseres Infobriefes zu ihrer Meinung dazu und ihren Erinnerungen an das Leid gebeten – und so zahlreiche Zuschriften erhalten. Herzlichen Dank dafür. Hier folgt eine Auswahl, teils in gekürzter Form:
Am 20. Juni 2026 habe ich Katjuscha mitgesummt (weil ich den Text nicht auswendig weiß), als wir vor dem sowjetischen Ehrenmal standen und dieses schöne, eingängige Volkslied ganz spontan angestimmt wurde – es war wie eine russische Ergänzung zur Kleinen Weißen Friedenstaube, die davor gesungen wurde. Katjuscha als lyrisches Liebeslied passt außerdem zum Gedenken an die gefallenen sowjetischen Soldaten wesentlich besser als das Friedenstauben-Kinderlied.
Ich kann bezeugen, dass das Singen von Katjuscha völlig spontan erfolgte, d.h. vorher nicht geplant war und Katjuscha auch nicht von einem Tonträger abgespielt wurde.
Dass Katjuscha als Militärmarsch und das Singen somit als Ordnungswidrigkeit zählt, ist für mich vollkommen abwegig. Katjuscha ist wirklich kein Marsch: nach der Musik kann man hüpfen oder tanzen, aber ganz bestimmt nicht marschieren. Marschieren zu einem naturromantischen Liebeslied???
Maud von Lampe
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Ringsrum pragen leuchtend Apfelblüten, still vom Fluß zog Nebel durch das Land,
Durch die Wiesen ging hurtig katuscha zu des Flusses steiler Uferwand!!!
Wo ist da das Militär, und der Angriff??
Kerstin Tischendorf
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Wer kennt dieses Lied nicht! Es ist Folklore-Liedgut. Jedenfalls ist Katjuscha alles andere als ein Marschlied. Ich habe es mir nochmal über youtube von vielen Darstellern angesehen und angehört.
Beispiele: 2015 brachte es Florian Silbereisen mit einer Tanzeinlage im Fernsehen. Unter anderem wurde dieses Lied auch für die Fußballweltmeisterschaft 2018 in Russland ausgesucht, als Hymne sozusagen. Ivan Rebroff, den Älteren unter uns noch bekannt, brachte mehrere professionelle Darbietungen dieses Ohrwurms, z. B. 1995.
Wo also ist das Problem? Das Verbot, es auf einer Friedensdemo in Berlin zu singen, ist lachhaft, und ich halte das für Schikane.
Antje, Duisburg
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Ich habe mir das Lied Katjuscha nochmal auf deutsch angehört und von Marschmusik keine Spur.
Es ist ein schönes Volkslied, das auch gegen das Soldatensein spricht. Passt alles nicht in die derzeitige Kriegstüchtigkeit und alles, was aus Russland kommt, gehört verboten.
Monika Welz
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Was für ein armseliges Zeugnis der Berliner Polizei, dass sie sich nicht mal die Mühe macht, den deutschen Text von „Katjuscha“ zu googeln, um zu erfahren, dass das kein Marschlied ist. Aber offenbar klingt jeder russische Laut in deren Ohren schon wie „Angriff“.
Ich schäme mich für die deutsche Regierung, für ihre kriegsgeilen Minister und hoffe inständig, dass die Geschichte ihr Urteil über sie sprechen wird.
Waltraut Tuchen
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ich habe es immer als patriotisches und Liebeslied gesehen, als Lied, dass die durch den Krieg erzwungene Trennung zweier Menschen thematisiert. Und ein Lied von Treueversprechen. Der Liebste ist fort, die Heimat zu verteidigen und Katjuscha wünscht sich, dass ihre Liebe und ihre Wünsche für ihn, der Sonne folgend, zu ihm hinfliegen mögen. – Er verteidigt die Heimat und sie bewahrt ihrer beider Liebe. – Marschlied? Dazu ist es zu wehmütig.
Cornelia Wimmer
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Meine erste Erinnerung an „Katjuscha“ ist, dass meine Mutter es ab und zu mal gesungen hat – und zwar im Original, auf russisch. Ich fand es schon damals, als Kind, schön. Habe dann irgendwann angefangen, es selbst zu singen, allerdings in der deutschen Version/Übersetzung. Zum 80. Jahrestag des 9. Mai, also letztes Jahr, habe ich dann doch auch den russischen Text gelernt. Wenn das Lied im Treptower Park gesungen wird, schließe ich mich selbstverständlich jedes Mal an, (unsinniges) Verbot hin oder her. Und nein, „Katjuscha“ ist in meinen Augen kein Kriegs-, Militär-, oder Marschlied. Es ist ein Liebeslied, vor dem Hintergrund des Großen Vaterländischen Krieges…
Christine Grundmann
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Guten Tag, es ist sehr schade, dass Gerichte heute damit belastet bis verstopft werden, offensichtliche Zusammenhänge und Hintergründe zu interpretieren. Man kann wikipedia lesen, selbst dort wird zwar der Bezug „Katjuscha = Raketenwerfer“ gleich zu Beginn erwähnt, jedoch im weiteren Verlauf das deutlich beschrieben, was von Interpreten auf der ganzen Welt auch so verstanden und empfunden wurde: thematisiert wird die Sehnsucht einer jungen Frau nach ihrem im Krieg befindlichen Mann. Und zwar befindet sich dieser nicht in einem Angriffskrieg, sondern in einem Krieg zur Verteidigung seiner Heimat. Entsprechend könnten das Lied auch ukrainische Frauen singen. Niemand sollte sehnsüchtig allein durch die Landschaft gehen, weil sein Partner irgendwo in einer Kriegsmaschinerie feststeckt. Dass Männer im Krieg ihre Maschinen auch nach Frauen benennen, vielleicht aus Sehnsucht, vielleicht aus derbem Soldatenhumor (Ergebnis tagtäglicher Verrohung) ist kein Grund, Katjuscha als Förderung russischer Kriegspropaganda zu brandmarken(neudeutsch „framen“). In dem Sinne viel Erfolg beim Widerspruch,
Hendrik Flöting, Fulda
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Die Zensur nimmt gefährlich Formen an: weil ein Liebeslied ein russischen Namen hat wird es jetzt verboten? Sind sie alle verrückt?
Julia
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Wie man aus Katjuscha eine Ordnungswidrigkeit machen kann, ist vermutlich der deutschen Gedankenwelt zu verdanken. Deutschland muss seine Politik gegenüber Russland/Ukraine ändern!
Richard Wildner
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Das ist nun wirklich der Gipfel der Verblendung! „Katjuscha“ ist ein Liebeslied und kein Marsch. Mir fiel schon als junger Mensch auf, wie wenig russische Lieder mit Marschmusik zu tun haben, und wie menschlich und freundlich sie im Text sind.
Aber das darf natürlich nicht zu Gehör gebracht werden in einer Zeit, da Russen wieder als Feinde dargestellt werden sollen.
Also, Freunde, WEITERSINGEN!
Jane Zahn, Kabarettistin und Liedermacherin, Rheinsberg
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Unsere schäbigen Politiker wollen letztlich Russland nur schaden zufügen und das mit allen Mitteln, die sie noch zur Verfügung haben, bevor sie in den Kriegszustand eintreten.
Das sind unsere Altparteien, welche eine Schande,
Herbert Mierzwa, Nürnberg
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Wegen des Singens des Liedes Katjuscha mit einem Ordnungswidrigkeitsverfahren überzogen zu werden, ist eine erneute Demonstration des militaristischen Verfolgungswahns des deutschen Staates und für die Betroffenen eine Adelung erster Klasse!
Dr. Winfried Möller
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Helmut hat uns und unserem Anwalt Material für den Widerspruch zusammengestellt. Vielleicht interessiert es auch juristische Laien:
In Wikipedia wird keine Verwendung als Marschlied berichtet:
https://de.wikipedia.org/wiki/Katjuscha_(Lied)
(Der gleichnamige Raketenwerfer wird meines Wissens nicht mehr eingesetzt.)
Eine gute Definition von ‚Marschlied‘ habe ich nicht gefunden
https://de.wikipedia.org/wiki/Soldatenlied
Dafür aber ein Liederbuch der NVA, in der Katjuscha ausdrücklich nicht als ‚Marschlied‘, sondern ‚für die Freizeit eingeordnet‘ wird:

