preloader

Russophobie, warum denn? Freundschaft!

Vonadmin

13. Mai 2026

Die aktuelle Zeit ist chaotisch und überfordert, doch für Leute wie mich, die die erste Hälfte ihres Lebens in der DDR gelebt haben und die zweite Hälfte in der Bundesrepublik verbrachten, ist sie hoch interessant. So konnte ich prima Vergleiche herstellen, zwischen der Arbeit der jeweiligen Regierungen, die Innenpolitik und die Außenpolitik betreffend, in ihrem Verhältnis zu den Bereichen Medien, Bildung, Kultur, Gesundheit, Wohnen, Gleichberechtigung und natürlich zur Handhabung der Gewaltenteilung zweier unterschiedlicher Systeme.

Was ich in meiner ersten Lebenshälfte erleben durfte, waren die enormen Leistungen von Nikolai Bersarin und Alexander Gorbatow bei der materiellen Versorgung der Bevölkerung und dem ideellen Aufbau der Gesellschaft in der sowj. Besatzungszone, in deren Ergebnis in der Bevölkerung die Anerkennung und Freundschaft zu Land und Leuten der Sowjetunion stetig wuchs. Das Zusammenleben mit den Streitkräften der Sowjetunion in der DDR gestaltete sich freundlich, aber mit gewisser Distanz. Gegenseitige Hilfe bei Unwettern o.ä. war normal.

Mein Erkenntnisgewinn unter anderem: Ich wurde nicht belogen in der Schule und weiter führenden Ausbildungen zum Thema Kapitalismus. Besonders auffällig in meiner zweiten Lebenshälfte ist u.a. die aggressive Rolle der Medien in diesem Land bei der Umsetzung staatlicher Narrative, die eklatante Russophobie ohne Realitätsbezug und deren Zählebigkeit.Ich frage mich, woher kommt das?

Die beste Art und Weise, sich ein Bild – in unserem Fall von Russland – zu machen, sind persönliche Begegnungen, und davon möchte ich einige aus meiner Familie ausplaudern.

Mein kluger Großvater, Hermann, war Zimmermann mit Rückgrat und hatte Hegel, Marx und Lenin gelesen. Er verfolgte schon interessiert die Oktoberrevolution und die darauf folgenden Interventionskriege in der jungen Sowjetmacht sowie den spanischen Freiheitskampf 1936/1939, bei dem Deutschland seine Neuentwicklung, das Bomben, in Guernica testete. Folgerichtig war er viele Jahre im Widerstand gegen den Hitler-Faschismus. Das brachte ihm zwei Jahre Zuchthaus und vier Jahre Konzentrationslager ein. Im April 1945 wurden er und seine Mitgefangenen auf den Todesmarsch an die Ostsee getrieben, um dort auf Schiffe verladen und versenkt zu werden. Aber dann geschah etwas Großartiges! Noch unterwegs, wurde der traurige Zug von der Roten Armee befreit. Der Spuk war endlich vorbei! Ein sowjetischer Offizier, der Hermanns roten Winkel an seiner Häftlingskleidung sah, übergab ihm einen alten Trecker in seine Obhut und beauftragte ihn, sich umgehend bei der sowjetischen Kommandantur im Heimatort zu melden. Dort angekommen, wurde er zum Bürgermeister ernannt und beauftragt, ein Volkshaus zu bauen. Das war ihm Freude und Genugtuung.

Hermanns Sohn Hans, mein Vater, wurde 1942, 18 jährig, zum Kriegsdienst an die Ostfront eingezogen. Er wurde als Pionier in der Vorhut des Heeres eingesetzt, zusammen mit ein paar Kameraden. Eine Mischung aus Abenteuerlust, Neugier und Aufgeschlossenheit Land und Leuten gegenüber, steckte wohl in ihm, als er sich in einem Dorf entschloss, allein eine Kneipe zu besuchen, in Uniform und mit Gewehr. Gewöhnlich war das sicher nicht. Er setzte sich an die Theke und bestellte ein Bierchen. Man kann sich ungefähr vorstellen, was für Gedanken durch die Köpfe der Männer gingen. An der Theke entwickelte sich eine bescheidene Unterhaltung, denn Hansens Russisch war mäßig. Sein Gesprächspartner bot ihm eine selbstgedrehte Machorka-Zigarette an, die zu verkraften war. Man rauchte zusammen. Alles blieb friedlich. Er ging.

Ein weiteres Erlebnis: Hans war mit seinen Kameraden am Buddeln. Eine Pause auf einer Lichtung am Waldrand wurde nötig. Hans meinte irgendwann: „Er muss sich mal in die Büsche schlagen“ und verschwand im Dickicht mit seiner Waffe. Dort traf er dann ganz unerwartet auf einen jungen bewaffneten Partisan. Sie guckten sich beide erschrocken an, überlegten und entschlossen sich, langsam in die Richtung zurückzugehen, aus der sie gekommen waren. Hans war erstens sein Bedürfnis vergangen und zweitens erzählte er seinen Kameraden nichts. Genauso verhielt sich offensichtlich auch der junge Partisan. Der Ausgang dieses Ereignisses rührt mich sehr, er ist zutiefst menschlich und klug!

So wie die westliche Arroganz seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion nicht zu ertragen ist, ist die gegenwärtige absolute Realitätsverweigerung von EU, Deutschland, dem Westen insge-samt, unerträglich.

Trotz aller für diese Allianz entgegen laufenden Entwicklungen in Ukraine und Iran ist eine Anpassung an Tatsachen nicht zu vernehmen. Haben sie noch einen weiteren, viel größeren Plan – zusätzlich zum Alten: „Die Amerikaner drinnen, die Russen draußen, die Deutschen unten halten“ ? Die Global Faschisten bauen an ihrem Tech-Feudalismus, der offensichtlich gigantische Gewinne zu versprechen scheint.Mein Großvater würde wohl sagen: „Ja, so sind sie.“ (sie, die Imperialisten) Oder „Sie wollten es, a b e r sie konnten nicht!“Na hoffentlich! Sage ich.

Vonadmin