Ich bin Jahrgang 1940…
Ein Kind erlebt das Kriegsende auf dem Dorf nahe Berlin
Mit der Anrede: „Hallo, Ihr Aufrechten“ hat uns Prof. Dr. Lutz Fiedler seine Erinnerungen an das Kriegsende zugeschickt. Das war selbst im Brandenburgischen Breddin blutig, sehr blutig. Heute können wir uns nicht vorstellen, mit welchen eigenen Verletzungen das Kind danach weiterleben konnte.
Ich bin Jahrgang 1940. Am letzten Kriegstag 1945 versteckten sich einige Bewohner des Dorfes Breddin aus Angst vor den siegreichen Russen in einem nahen Wäldchen, nicht ahnend, dass auf der einen Seite hinter einem Bahndamm die Rote Armee stand und auf der anderen Seite in Schützengräben das „Letzte Aufgebot der Deutschen Wehrmacht“ (man erzählte es seien Soldaten unter SS-Leitung gewesen). Es war eine bitterkalte Winternacht und unter dem gegenseitigen Feuer fielen Eiszapfen auf uns aus den Bäumen runter. Trotzdem bin ich eingeschlafen.
Als wir morgens ins Dorf zurück mussten, hinderte mich meine Mutter daran, nach rechts zu sehen, weil dort ein junger Soldat mit einem abgerissenen Bein im Stacheldraht hing. Er habe sterbend nach seiner Mutter gerufen, erschütterte es die zum Dorf Gehenden.
Dann kamen uns zwei Sowjetsoldaten entgegen und alle glaubten, sie würden uns jetzt erschießen, aber sie waren freundlich. Einer nahm mich auf den Arm und schenkte mir ein kleines Tütchen mit Zucker.
Ich habe in den Monaten zuvor viele schreckliche Dinge gesehen, Soldaten die sich aus brennenden Flugzeugen mit dem Fallschirm retten konnten wurden von Maschinengewehrgarben alliierter Jäger zerfetzt. Einem Kind einer russischen Zwangsarbeiterin, das mit einer Handgranate spielte und dem beide Hände abgerissen wurden, verblutete vor unseren Augen auf der Straße, weil der Dorfpolizist Leuten, die helfen wollten, das einfach verbot und zusah, wie das Kind der weinenden Mutter starb.
Meine Kriegserlebnisse sind nun mehr als 80 Jahre her. Ich kann sie nicht vergessen. Ich wünschte, die Menschheit würde erwachen und das Soldatenwesen, das es seit den alten Sumerern gibt, endlich abschaffen. Es dient nur den wenigen Herrschenden. Die Schöpfung braucht keine Panzer, Haubitzen, Drohnen, Kampfroboter und Atomsprengköpfe. Nur die Konzernbosse und ihre regierenden „Eliten“ profitieren davon.
Russland hat Deutschland nach dem Krieg und seiner Befreiung Europas von der Naziherrschaft und allem, was jenem Land angetan worden ist, die Hand geboten. Die westliche Dauerpropaganda hat aber weiter das Feindbild aus Moskau beschworen.
Ist eigentlich nur den Gebildeten klar, dass Russland ein zivilisiertes europäisches Land ist, dessen Musik, Literatur, bildende Kunst und Wissenschaft seine westlichen Nachbarn seit dem 18. Jahrhundert enorm bereichert hat? Im Gegensatz zu anderen Weltmächten unterhält Russland kaum Militärbasen in anderen Erdteilen. Das spricht für seinen Friedenswillen. Ich sehe „Putin“ nicht als ehemaligen Geheimdienstdämon, sondern bewundere die Politiker der Russischen Föderation, mit welcher Geduld sie die Lieferung von schwersten Waffen aus dem westlichen Europa an die kaum zu verstehende nationalistisch dominierte Ukraine behandelt. Es gibt andere Staaten die bei umgekehrter Handlungsweise Deutschland unter einem Bombenhagel begraben hätten.
Mit freundliche Grüßen
Prof. Dr. Lutz Fiedler

